Ein Erlebnisbericht

Zürich, den 17.9.2014

Energiewendefestival 2014

Ein einmaliger Höhepunkt des diesjährigen Energiewendefestivals war das grosse bewegte Menschenbild zur 'Energiewende jetzt!' am Samstag. Rund etwa 400 Menschen strömten vom Festplatz zur grossen Wiese, wo sie mit schwarzen Papierblättern über den Köpfen als erstes Bild sich zu drei Balken eines Radioaktiv-Zeichens aufstellten - von der Hebebühne oben ein eindrückliches Bild! Liedermacher Aernschd Born stimmte seinen neu komponierten Song 'StoppAtomstrom' an, den Viele eingeübt hatten und mitsangen, begleitet von kurzen Slogans wie 'AKW abefahre - ufe mit Erneuerbare!' oder 'Usstieg jetz - Mühleberg vom Netz!' In einem zweiten Schritt wurden die drei Atombalken in drei Windradflügel umgewandelt: Die HelferInnen an den Eckpunkten nahmen die ausgelegten Seile und zogen mit ihnen die Menschenmassen bis zu den 50 m langen Flügelspitzen auseinander - mit weissen Blättern über den Köpfen. Wiederum sang Aernschd Born gemeinsam mit uns sein neues Kinderlied 'Wasser Sunne Wind', umrahmt von Slogans wie 'Sunne, Erde, Wasser, Wind - Zuekunft sind für üsi Chind!' oder 'Mir händ no vill Hügel für Windradflügel', 'Solar uf jedes Dach - susch giits politisch Krach', Stromverbruuch sänke - a d'Zuekunft dänke!' usw. In einem dritten Schritt setzten sich hierauf die drei Windradflügel langsam mit allen Menschen in Bewegung und machten eine  Drehung; es gelang uns , etwa einen halben Umkreis zu vollziehen. Zum Schluss
strömten alle Menschen in langen Menschenketten wie drei Kometenschweife nach aussen und bildeten auf den grossen Umkreis einen  riesigen gemeinsamen Sonnen-Kreis. Mit einem grossen Applaus beendeten wir das Menschenbild - worauf viele spontan in die Mitte rannten, und sich voll Freude über die gelungene Aktion umarmten.

Das Menschenbild war nur einer der Höhepunkte des bunten Energiewendefestivals, das vom 4.-17.September 2014 in Rubigen bei Bern stattfand. Schon von weitem leuchteten die vielfältigen Kuppeln und Bauten in der grünen, sanft geschwungenen Landschaft. Wenn  man näher kam, entdeckte man eine bunte Mischung von originellen Bühnenaufbauten, Kuppeln und Zirkuszelten auf der Wiese neben einer grossen veganen Küche und etwas weiter hinten ein erhöhtes Kompostklo. Während der ganzen Zeit verköstigte eine Kochequipe die Menschen mit ausgezeichneten veganen Menüs.

Schon am ersten Samstag am 6.Sept.  machte ein schönes Konzert von Dexter Doom and the Loveboat Orchester den Auftakt. Während der ganzen Woche fanden interessante Workshops zB zum Kompostieren, zum Stromsparen im Alltag und vielen weiteren Klima- und Energiethemen statt. Abends war Kinoprogramm. Unter der Woche fanden nur vereinzelt Besucher und Bewohner vom Dorf den Weg aufs Gelände, und besichtigten die verschiedenen Stände mit Solarpannels, die Windturbine und Solardusche, die Infotafeln im Living Dom usw. Dafür blieb Zeit, um beim sonnigen Wetter in der freien Natur untereinander ins Gespräch zu kommen.

Trotz Nieselregen und Kälte fanden sich mehrere hundert Personen am Freitagabend 12.Sept zur packenden Musik von Lea Lu, dem Pullup Orchester mit feats von Greis, Steff la Cheffe, Knackeboul sowie Puma Mimi und Marama sich vor der Bühne ein. Am Samstag, den 13. startete das grosse Festivalprogramm mit einem Vortrag von Daniele Ganser zum Peak Oil. Nachmittags dann warb die offizielle Rede für einen raschen Umstieg: 'Auf jedes geeignete Dach eine Energieanlage! Jede Stadt eine Energiestadt! Dann folgte das grosse Menschenbild, und anschliessend nochmals zwei spannende Vorträge von David Stickelberger zum Potenzial des Solarstroms und von Reto Rigassi zur Windenergie. Zur Auflockerung hörten wir dazwischen einen Sprechgesang der Schulklasse Linder aus Thun, und die phantasievollen Theaterimprovisationen der Impronauten - super humorvoll!. Abends folgte ein zweites tolles Konzert bis spät in die Nacht mit Feet peals, Los Yucas, Traktorkestar, und Patrick West, und dazwischen eingestreut gesellschaftskritische Songs u.a. von Niels van der Waerden usw.

Der  Sonntag begann gemächlich mit einem leckeren Brunch mit Musik von Hot Club de Berne, kleinen Gruppen beim Yoga und bei einer Besinnung. Erst der Vortrag von Ruedi Rechsteiner zu '100 Prozent Erneuerbare Energie - wie geht das?' lockte dann Viele ins Zelt. Nach dem Mittag versammelten sich mehrere Gruppen zunächst aus den gleichen Regionen, um sich untereinander besser zu vernetzen, und nachher in Thema-Gruppen, um gemeinsame Schritte für Strassenaktionen, Comics, Medienarbeit und für Energiegemeinden zu besprechen. Mit einem lockeren Konzert der Tomazobi fand das EWF um 16 30 h sein Ende.

Dankbar waren die OrganisatorInnen, dass anschliessend noch einige BesucherInnen beim Abbau und Aufräumen anpackten. Unschätzbar war auch die tatkräftige Mithilfe eines Internationalen Camps des Service Civil International: 11 junge Freiwillige aus Ländern wie Ukraine und Russland (!), Serbien, Schottland, Frankreich, Deutschland halfen motiviert bei Auf- und Abbau und in der Küche mit, und diskutierten in Workshops Fragen zur Energie und zu Peace.

Energiewende jetzt! Für eine Energieversorgung, die Mensch, Natur und Klima schont. Die Zukunft ist 100pro erneuerbar! Unter diesem Motto stand das diesjährige EWF, das von einer Handvoll AktivistInnen aus MenschenStrom und Klimacamp organisiert und von über 100 Trägerorganisationen sowie schätzungsweise insgesamt etwa 1000 Teilnehmenden unterstützt wurde. Für uns Freiwillige, die wir voll dabei waren, bleibt es ein eindrückliches und aufgestelltes Erlebnis.

Ueli Wildberger